Du bist nicht mehr hier, Du warst gegangen.
Und als Du fort warst, setzte ich mich ans Fenster und sah hinaus, dort war jedoch nichts, nichts außer die Dunkelheit und der helle glitzernde Schnee.
Der Wind ließ ihn durch die Luft wirbeln, wie eine riesige weiße Rose.
Der Anblick war wunderschön und ich glaube ich hatte noch nie etwas schöneres gesehen, außer Dich.
Doch Du bist nicht mehr hier, Du warst gegangen.
Es war kalt am offenen Fenster, meine Lippen färbten sich blau und das halten der Zigarette fiel von Minute zu Minute schwerer. Tränen stiegen mir in die Augen, so sehr vermisste ich Dich, so sehr hast Du mir gefehlt.
Die Schneewehe unter meinem Fenster sah aus wie Zuckerwatte, doch der traumhafte Anblick hielt nicht lange... denn mein Blut und meine Tränen ruinierten dieses Kunstwerk der Natur. Sie stürzten einfach so auf das weiße Wunder herab und zerstörten es. Doch das war nicht meine Schuld, es war Deine..
Denn Du bist nicht mehr hier, Du warst gegangen.
Der Einsamkeit stand zu halten, die Leere zu erstragen war schwer, es tat weh, mehr als tausend Messerstiche. Und ich schrie in die Dunkelheit, ich rief nach Dir, voller Verzweiflung, doch die Stille der Nacht verschluckte meine Worte und vergebens wartete ich auf eine Antwort von Dir.
Du bist nur in meinem Kopf, in meinen Gedanken, in meinen Träumen: Leuchtend und funkelnd wie der Vollmond und die Sterne am Himmel, duftend und wunderschön wie eine weiße Rose, wohlklingend wie das Tropfen meiner Tränen und meines Blutes in den Schnee und schier unerreichbar wie eine unerfüllte Liebe.
Denn Du bist nicht mehr hier, Du warst gegangen.
Ich fragte Dich oft, ob Du mich lieben würdest, doch ständig bist Du meiner Frage ausgewichen. Und ich suchte immer Deine Nähe, auch wenn Du mich wie so oft wegstießt. Ich wollte doch nur Dein Gesicht ein letztes Mal berühren, Dir ein letztes Mal etwas ins Ohr flüstern, einfach ein letztes Mal Deine Nähe und Wärme spüren.
Ich weinte so viel um Dich, konnte Nächte lang nicht schlafen aus Angst Dich zu verlieren, doch wie soll man etwas verlieren wenn man es nie besaß?
Ich warf meine Zigarette in den Zuckerwatten-Schnee und richtete mich auf, stellte mich aufs Fensterbrett und lehnte mich so weit wie nur möglich hinaus. Der kalte Wind wirbelte mir den Schnee ins Gesicht, so stark, dass es weh tat. Doch nichts tut so sehr weh wie Deine Liebe oder nicht-Liebe. Nichts tut mir so sehr weh wie Du.
Meine Tränen flossen nicht mehr über meine Wangen, im Grunde war es nur noch eine gefrorene schmale Linie aus glitzerndem Nass. Meine Lippen spürte ich schon längst nicht mehr, vermutlich war mein Gesicht eingefroren, nur um den Schmerz festzuhalten, um ihn Dir zu zeigen, wenn Du mich im Schnee finden würdest.
Du wolltest mich los werden, denn Du bist nicht mehr hier, Du warst gegangen.
Mit festem Blick starrte ich durch die Dunkelheit an einen Punkt weit entfernt am Horizont. Ich lauschte dem Lied welches der Wind für mich pfiff.
Ich dachte an Dich und ehe ich mich versah warst da wieder nur Du: Du warst der letzte den ich sah, Du warst der letzte dessen Stimme ich hörte, Du warst der letzte der in meinem Kopf rumschwirrte. Da warst immer nur Du.
Und wieder brach ich in Tränen aus, heiß liefen sie über mein gefrorenes Gesicht.
Ich wollte loslassen, oh Gott ich schwöre, ich wollte wirklich los lassen, doch meine Hände lockerten den Griff vom Fensterrahmen nicht, zu kalt war es.
Ich war eine lebende Eisskulptur: elegant, einsam, halbnackt, voller Trauer und Schmerz.
Und während mich genau diese Schönheit des Moments umzubringen schien geschah etwas, womit ich niemals gerechnet hätte.
Plötzlich standest Du vor mir, in meiner Pfütze aus Schnee, Tränen und Blut, sahst mich an, voller Mitgefühl und strecktest mir beide Arme entgegen. Ich sah wie sich Deine Lippen bewegten "Es tut mir leid" sagten sie. Ich spürte wie mir heiß wurde, wie ich mich freute Dich zusehen, aber ich konnte nicht aufhören zu weinen.
Du bist wieder da, Du warst zurückgekommen!
Und dann sah ich den erschrockenen Blick in Deinen Augen. Die Stille wurde durch Deinen Schrei zerrissen. Und plötzlich war ich nicht mehr über Dir. Plötzlich warst Du über mir.
Tränen stiegen Dir in die Augen, tropften auf meinen unterkühlten Körper.
Du knietest Dich neben mich, nahmst mich in den Arm und flüstertest mir hunderte Dinge ins Ohr, von Liebe und Schmerz, dass es Dir leid täte und Du das nie wolltest.
Du sahst mir in die Augen, zu meiner Freude, denn das war es, das letzte was ich sehen wollte: Dich!
"Manchmal..." stammelte ich "...sind Neuanfänge nicht so einfach..." Du sahst mich ängstlich und fragend an. "Manchmal..." und ich holte tief Luft "...ist der Abschied der einzige Ausweg."
Dann legtest Du Deine Wange an meine, hielst mich fest im Arm, flüstertest und weintest.
Und dann - dann wurde es hell.
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