Freitag, 5. April 2013
Wir geben uns mit dem zufrieden, was wir glauben zu verdienen
Das herzzerbrechendste an einem Streit ist, wenn man keine viertel Stunde zuvor seine einzig wahre Liebe am Auto vorbeihuschen gesehen hat und schmerzlichst daran erinnert wurde wie sehr diese Person einem fehlt. Und dann steht man da, in der Küche mit seinem Freund und streitet über Lappalien wie den nicht erledigten Abwasch, das undankbare Verhalten für die gewaschene Wäsche und gelangt letzen Endes zu Aussagen wie dass man den Anblick des anderen kaum noch ertragen kann ohne einen Brechanfall zubekommen. ... Dann Schweigen. ... Man geht ins Bett und am nächsten Tag tritt er einem vor die Augen und tut als wäre nicht gewesen, als wäre alles in Ordnung und in Wirklichkeit geht die ganze Misere wieder von vorne los. Die Uhr tickt, die Zeit läuft ab, noch circa zwei Tage bis zum nächsten Streit.
Traurigerweise habe ich nicht einmal eine Vorstellung von einem Traumprinz. Er muss nicht besonders gut aussehen, nicht besonders viel Geld haben und nicht besonders klug sein, aber es dürfte doch zu erwarten sein, dass diese Person mit der ich meine Zeit, mein Leben und meine Befindlichkeiten teile mir etwas zurück gibt, etwas wie Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Zugehörigkeit. Aber das ist nicht der Fall. Stattdessen darf ich mir von allen Seiten anhören wie gut ich es doch getroffen hätte. All' diese Leute würden es hier keine Woche aushalten. Mir ging es noch nie schlechter als in dem letzten halben Jahr und das sieht man mir leider auch an. Doch an der Situation was ändern? Dazu bin ich mal wieder zu feige. Was sollte ich auch tun? Er sagt er liebt mich, ich sage ich werde die Beziehung beenden, er schweigt, ich sage ich bin dann einfach weg ohne Abschied, ohne Nachricht, er umarmt mich, ich werde sauer und fange an zu weinen, er küsst mich, ich gehe. Immer wieder. So sehr ich auch Gespräche suche und versuche ihm klar zu machen, dass sich was ändern muss, Antworten bekomme ich nicht, nur sein leeren Blick der mich rasend macht, weil ich weiß, dass er mal wieder nichts denkt, oder ans Essen oder an sonst was, aber sich nicht darauf konzentriert was ich sage. Dann werde ich wütender vom Ton und bekomme als Antwort: ein Schulterzucken.
Nach diesen endlosen Streitereien bekomme ich einen enormen Selbsthass. Hass darauf, dass ich kein Zuhause habe in dem ich mich zurück ziehen könnte, Hass darauf, dass ich meine erste große Liebe so sehr vermisse und seit Monaten beinahe jede Nacht von ihr Träume, Hass darauf, dass ich die Person mit der ich jetzt zusammen bin nicht einfach so nehmen kann wie sie ist, Hass darauf, dass das letzte halbe Jahr einfach so verdammt schlecht gelaufen ist.
Ich möchte weg, ich weiß nicht, ob weglaufen oder gar nicht mehr existieren aber beim Gedanken an letzteres treibt es mir Tränen in die Augen weil es tatsächlich etwas gibt was mich hier hält und dieses Ungewisse, was daraus wird wenn es mich nicht mehr gibt lässt mich aus letzter Kraft durchhalten.
Warum geraten liebenswerte Menschen immer an die falschen? Weil wir uns mit dem zufrieden geben, was wir glauben zu verdienen.
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