Montag, 22. September 2008

Tranquilize

Wisst ihr, es ist Ende September und egal in welches meiner Tagebuch ich sehe, es steht ein und der selbe Satz darin: "Es ist Ende September und es fängt wieder an - die ewige, nicht enden wollende, hoffnungslose Depression."
Draußen ist alles grau in grau und damals in Metelsdorf hatte das vielleicht noch einen gewissen Schick, doch in der Stadt wirkt es nur trist. Wenn man auf dem Land wohnt und zusehen kann wie sich die Blätter verfärben und in der goldenen Abendsonne schimmern, während sie vom sanften Wind gechaukelt werden, weckt das in mir eher fröhliche Kindheitserinnerungen von riesigen Laubhaufen in die man hüpft oder von selbstgebastelten Drachen die man steigen lässt.
Doch hier in der großen, kalten, betonisierten Stadt hat das nichts fröhliches. Nasser Asphalt, kahle Bäume, grauer, bewölkter Himmel.
Wo sind die Altweibersommer hin? Die tollen, goldenen und bunten Herbstanfänge? Warme Tage aber dennoch kühle Abende oder Pulloverwetter - wie ich zu sagen pflege.
Wieso kann man nur noch mit Regenschirm und Stiefeln das Haus verlassen? Aber ehrlich gesagt habe ich meine Wohnung schon seit Wochen nicht mehr verlassen. Ich hocke Tag ein, Tag aus im Bett, die Vorhänge zugezogen, die Kerzen angezündet, kuschle mit meinem Kater und schlafe nur intervallweise, weil mich meine Tabletten zwar müde machen, meine Schmerzen mich aber nicht schlafen lassen. Abgesehen davon, dass ich total leicht reizbar und schlecht gelaunt bin, fange ich alle paar Stunden an zu weinen und das muss nicht mal einen bestimmten Auslöser haben.
Wisst ihr noch was ich letztes Jahr geschrieben habe? Langsames egal werden der Kleidung, gezielte Kontaktabbrüche zu Leuten die sich Sorgen machen könnten, traurige Musik... all das geschiet nun.
Wie kann ein Mensch sein Leben lang nur so unglücklich sein, so unzufrieden, so leblos, so hoffnungslos, so ganz und gar ohne Perspektive? Und vor allem... wie kann ein Mensch - wie kann ich immernoch so hilflos sein? Wo sind denn meine sogenannten Freunde, wo sind die Menschen denen ich so wichtig bin? Ich habe nicht nur das Gefühl, dass ich einsam bin, nein, es ist tatsächlich der Fall.
Ich drehe hier durch, ich gehe hier kaputt, ich sterbe hier!
Verdammt - wenn ihr das lest und es nicht grade dunkel draußen ist, dann seht aus dem Fenster! Es ist jetzt 18:45Uhr und es regnet. Ich hasse Regen! Von Regen bekomme ich Kopfschmerzen und die machen mich wahnsinnig.
Seit fast zwei Monaten leide ich unter ununterbrochener Übelkeit und Kopfschmerzen... wenn mir nicht bald jemand hilft war's das.
Ich verlange nicht viel, vielleich ein paar Stunden mit jemanden der mich aufheitert, Grimassen schneidet und dämlich umhertanzt,... ein paar Minuten am Telefon für einen urkomischen Witz über den ich nicht lachen werde,... eine E-Mail oder besser noch Post, einen echten, richtigen, selbstgeschriebenen Brief den ich mir abends unters Kopfkissen legen kann.
Doch darauf kann ich wohl warten bis mich meine Trauer umgebracht hat. Ich hab hier nichts zum abreagieren. In Metelsdorf bin ich mit dem Hund rausgegangen, egal wohin - ich kannte ja alles. Selbst blind hätte ich mich zurecht gefunden. Und egal wie ich es angestellt habe, irgendeine Möglichkeit habe ich immer gefunden um mich einigermaßen "über Wasser" zu halten.
Hier wird alles von Woche zu Woche nur fremder und einsamer.
Und ehrlich gesagt traue ich mich nicht mal mehr aus dem Fenster zu sehen.

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