Sie stand da, lässig an die Wand gelehnt, ein Bein angewinkelt, den Kopf gesenkt. Entspannt zog sie an ihrer Zigarette. Sie rauchte nur Eve, lange dünne weiße Zigaretten, sie war davon überzeugt, dass das Stiel hatte.
Sie stand da schon zehn Minuten und wartete auf ihren Freund. Er wollte längst da sein, doch mal wieder kam er zu spät und wie sooft rauchte sie eine Zigarette nach der anderen.
"Du fühlst Dich ohne sie unsicher, oder?" Das hatte er sie mal gefragt, doch nie würde sie es sich, und schon gar nicht ihm eingestehen.
Dann hörte sie Schritte, doch sie hob den Kopf nicht, denn im Laufe des Jahres hatte sie sich abgewöhnt sich Hoffnungen wegen ein paar Schritten zu machen, doch diesmal war er es wirklich. "Hey Schatz, tut mir leid, aber..." So fing es immer an, jedesmal eine andere billige Ausrede. Sie zweifelte zwar keineswegs an seiner Glaubwürdigkeit, jedoch aber daran, ob ihm überhaupt was dran liegt sie nur einmal nicht zu enttäuschen.
Er wollte ihr einen Kuss geben, doch sie wich aus, nicht hektisch oder dergleichen, denn sie wusste was er wieder für Stress machte, wenn er mitbekam, dass sie sauer auf ihn war.
Sie schob sich langsam an ihm vorbei, immernoch mit gesenktem Kopf.
Er nahm ihre Hand, ging los und zog sie mit. "Ich muss noch was eikaufen", sagte er in bemerkenswert fröhlichem Ton. Doch sie... sie schwieg.
Der Weg dauerte keine fünf Minuten und er bemerkte nicht, dass sie ein Problem hatte, obwohl er sonst ziemlich überempfindlich reagierte, wenn sie mal nicht gut drauf war.
Der Einkauf war schnell erledigt und immernoch blieb sie stumm, ab und zu faselte er etwas vor sich hin, wahrscheinlich um nicht zu vergessen was er wollte, oder einfach nur um für sich den Schein zu bewahren, dass er ja eigentlich mit ihr kommunizierte.
Kaum waren sie aus dem Geschäft zündete sie sich wieder eine Zigarette an, nach einigen Metern jedoch packte er sie, drehte sie rum und hielt ihr gesicht in beiden Händen.
"Jetzt erzähl mir was mit Dir los ist und sag nicht, dass Du nichts hast!" Sie sah ihn an, direkt in seine großen blauen die Augen, ihr Blick war traurig und leer.
Sie seufzte und schüttelte leicht den Kopf, trotz des enormen Windes bewegten sich ihre kurzen blonden Haare nur unmerklich. Grund war die unnormale Menge Haarspray. Seine dunklen, etwas längeren Haare jedoch sahen vom Wind total mitgenommen aus.
Er zog ihren Kopf zu seinen heran, so dass sie Stirn an Stirn standen. "Hey Schatz, sag mir was Du denkst." Doch sie konnte nicht. "Es ist nichts, nur ein blöder Tag heute", flüsterte sie.
Es war gelogen, doch er würde sie noch mehrmals fragen und je öfter sie es wiederholte, desto eher würde sie es auch selbst glauben.
Sie gingen weiter, es war noch gut eine viertel Stunde Fußweg und er began von seinem Tag zu erzählen, jedoch merkte sie, dass er ein schlechtes Gewissen hatte, denn er redete leiser als sonst, unsicherer.
Sie blieb stehen und sah ihn an. "Es ist nur so,... Du könntest ruhig mal rücksichtsvoller sein." Und das war der Startschuss für ihn. Er sah sie verständnislos an und fing an regelrecht auszurasten. "Ich? Ich bin rücksichtslos?" - "Das hab ich so nicht gesagt..." stammelte sie.
"Du bist aber unzufrieden mit meinem Verhalten Dir gegenüber!" Was eventuell wie eine Frage klingen sollte war viel mehr eine absolute Aussage seinerseits. "Hätte ich bloß meine Klappe gehalten", dachte sie.
Und es fing an wie immer, sie sah ihn zwar an, aber ihre Gedanken waren ganz woanders. Sie sah wie sich seine Lippen bewegten, sie sah das zornige Funkeln in seinen Augen und wie er wild mit den Armen um sich fuchtelte, aber sie hörte ihm nicht zu. Das tat sie schon lange nicht mehr. Statt dessen dachte sie daran wie toll es mal war, wie schön es hätte werden können. Sie dachte daran, dass sie ohnehin Sex haben wenn sie zu Hause sind, überlegte ob sie erst essen und dann miteinander schlafen sollten, was an dem abend im Fernsehn läuft und noch an viele andere Dinge... Bis er sie packte und schüttelte. "Antworte! Sag es mir! Willst Du das?!"
Sie schüttelte den Kopf, obwohl sie nicht hingehört hatte, wusste sie genau, dass er sie nach dem Ende gefragt hatte, das tat er nämlich ständig. Sie wusste selbst nicht ob er es wollte oder ob er wirklich so viel Angst davor hatte.
Sie riss sich von ihm los, nahm seine Hand und ging weiter als wäre nicht gewesen.
Als sie zu Hause waren ging er sofort in sein Zimmer, ohne ein weiteres Wort, er schloss die Tür hinter sich und drehte die Musik laut auf.
Sie ging in die Küche, das Abendessen vorbereiten, obwohl ihr der Appetit vergangen war.
Als sie soweit alles im Ofen hatte und es anbrennsicher war stellte sie sich vor seine Tür, mit sich ringend was sie tun sollte. Und so stand sie dort erstmal fünf Minuten und rauchte eine von ihren langen dünnen weißen Eve Zigaretten.
Die laute Musik ließ die Tür vibrieren. Als sie aufgeraucht hatte klopfte sie leise - er reagierte nicht. Wohlmöglich war er gar nicht in der Lage das Klopfen wahrzunehmen. Sie klopfte etwas lauter, und eigentlich hätte sie auch so reinplatzen können, doch das war nicht ihre art, trotz der gemeinsamen Wohnung. Das war schließlich sein Zimmer, sein Reich, sein Raum in den er sich flüchten konnte.
Also klopfte sie noch etwas heftiger und er riss die Tür auf. "Was willst Du?" Er klang gereizt, sie hasste es wenn so gereizt war und am liebsten wäre sie in Tränen ausgebrochen und hätte die Wohnung verlassen, doch das tat sie nicht. "Was?! Verschwende nicht meine Zeit. Hab besseres zu tun als das hier!" Doch kaum kam das aus seinem Mund, tat es ihm furchbar leid. Sie senkte den Kopf und sagte: "Es tut mir leid." Doch er verstand sie nicht, die Musik... Sie räsuperte sich und versuchte es nochmal: "Es... Es tut mir leid, Schatz!" Er sah sie traurig an, mit einem seltsamen Gefühl im Bauch wurde ihm klar, dass er sich manchmal echt wie ein Arschloch aufführte, ihm wurde klar, dass sie zu neunzig Prozent der Fälle nicht mal der Grund für seine Laune war, nichts dafür konnte und dass es einfach unfair war seine Aggressionen an ihr auszulassen. Er nahm sie in den Arm, hielt sie fest, gab ihr einen Kuss auf ihr perfektes blondes Haar. "Mir tut es leid, Baby", sagte er und zog sie in sein Zimmer. Er machte die Musik leiser und setzte sich in seinen schwarz-weißen Sessel, zog sie auf seinen Schoß und umarmte sie. Eine halbe Stunde lang saßen sie so da, ohne ein Wort zu sagen, er wollte sie einfach nur fest halten, ihre Nähe genießen und alles was sie wollte, war endlich einmal merken, dass er sie brauchte, er sie wollte und dass es ihm wirklich leid tat. Sie stand langsam auf, gab ihm einen Kuss auf die Stirn, auf den Mund, auf die Wange und flüsterte ihm ins Ohr, dass sie nach dem Essen sehen muss.
Als sie das Zimmer verließ, wurde ihm erst so richtig bewusst wie glücklich er mit ihr war, wie froh er sein konnte, dass er sie hatte.
Und als sie das Zimmer verlassen hatte, wurde ihr erst klar, wie sehr sie ihn liebte. Mit allen drum und dran.
Später am Abend, als er noch etwas fern sah, lag sie schon im Bett. Sie achtete sehr darauf, dass er wirklich nicht eher ins Zimmer kam, denn sie wollte noch schreiben.
Sie zog ein kleines weißes Buch unterm Bett hervor. Sie war sich nicht sicher ob er wusste, dass sie es hatte und dass sie dort rein schrieb. Was hätte er auch unterm Bett zu suchen?!
Ihr Blick fiel auf ihren Schrank, hinter dessen Tür sich so einige Schuhkartons befanden, voll mit Büchern, Schreibblöcken, Heftern, Zetteln...
Seufzend schlug sie ihr Buch auf und musste betrübt feststellen, dass auch dieses bald in einen der Kartons landen würde. Sie setzte an zum schreiben.....
Your lips in the evening, semen and a kiss.
Your smile start fading at all.
But somehow it's pretty, although I don't care.
Cause we're not enough at all.
He touches me steady as he moves ahead.
Thank God for the wounds I feel now.
If I was his girl I promis to kill.
But we're not enough at all.
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